Montag, 10. Oktober 2016

nutzSchall zieht um

Kurze wichtige Ankündigung: Hier wird bald eine Umleitung stattfinden. NUTZSCHALL hat nun seine eigene Subdomain auf der Lichtelfornia-Homepage. Das Blog ist also von nun an unter folgendem Link erreichbar:

nutzschall.lichtelfornia.de

Samstag, 7. Mai 2016

nutzSchall weekly - Eine kuratierte Spotify-Liste for you (and for me)

Es ist so: Ich pflege auf Spotify regelmäßig eine Playlist mit Musik, die mich jeweils aktuell am meisten interessiert. Quer durch (fast) alle Genres. Immer so um die 15 bis 20 Tracks.

Da bisher aber auch mal drei Wochen ohne neue Einträge vergehen können, dachte ich mir, ich könnte das ganze auch öffentlich zugänglich machen. Damit steigt der Druck, einmal in der Woche tatsächlich frisch nachzuliefern und ich muss mich nicht ärgern, dass ich das alles schon zum 237638443974. Mal höre.

Vielleicht interessiert es ja doch den einen oder anderen oder ich kann damit jemandem bei der Musikfindung unter die Arme greifen.

Also, hier gibt es ganz neu und frisch: EINE KURATIERTE NUTZSCHALL-PLAYLIST!

Achja: Ich versuche die Playlist immer Freitagabend oder im Laufe des Samstags neu zu bestücken. Wenn es aber mal ein paar Tage nicht der Fall sein sollte, entschuldige ich mich schon jetzt. Das wird passieren - junger Papa und so.

Mittwoch, 3. Dezember 2014

AnnenMayKantereit: Warum sagt keiner "Rio"?


Henning May - zuständig für das "May" im Bandnamen, den Gesang und die Melodica. Foto: Justus Neidlein

Ist es die offensichtliche Straßenerprobtheit ihrer Musik? Die charakteristisch tief-kratzige Stimme aus dem Mund des hoch aufgeschossenen Henning May? Die gesunde Portion Pop im Singer-Songwriting der Band? Schwer zu beschreiben, was die Anziehungskraft der Kölner AnnenMayKantereit ausmacht.

Staccato: Drei Namen und Tieftöner

Christopher Annen, Henning May, Severin Kantereit. Die Erklärung des Bandnamens ist damit hinfällig. Unter den Tisch fallen wechselnde Bassisten, die allesamt hervorragende Musiker sind und oft Lars Lötgering heißen.

Die drei bis vier Musiker jedenfalls könnten normaler nicht sein. Keine Extravaganz, kein Style, kein Getue. Menschen eben, die eher dadurch auffallen, dass sie in Germanistik-Seminaren oft die einzigen Männer sind. Auf ihren Konzerten aber auch.

Schnitt. Neue Szene.

Staccato: Würzburg - Kellerperle

Ein lauschiger Lieblings-Live-Club unter der Stadtmensa. Verkauft das Bier billig, schließt um halb zwölf. Besucheranzahl bei den Konzerten, die ich dort besuche: 15 bis 50 Zahlende. Das angekündigte Konzert von AnnenMayKantereit wurde um einen Monat verschoben. Der erste Termin war schon ausverkauft, zum zweiten wurden ein paar Bänke beiseitegerückt und es gab nochmal Kartennachschub - wieder ausverkauft. Nimmt man hin. Am Abend dann Schlangestehen im Treppenhaus. Viele Frauen, viele Freunde von Frauen.

Als ich die AMK-Band zum ersten Mal live gesehen hab, saß ich mit Freunden hinter dem Mischzelt des Weinturm Open-Airs auf vertrocknetem Gras. Erst ein bis zwei Wochen später dämmerte mir dann, dass dort eine Band auf der Bühne stand, die nichts zu tun hat mit dem Schülerband-Charme, den sie zu versprühen scheint. Die Texte gehen tief, der Groove fließt weich, die Musik ist packend.



Und immer wieder denke ich bei bestimmten Textzeilen und an gewissen Gesangsparts an Rio Reiser. Die AMK-Band versucht gar nicht erst, diese Referenz zu verstecken. Und ich glaube, sie sind auch etwas stolz darauf, nicht bloß Musik sondern Musik mit einer Prise Scherben-Charme zu spielen. Nur gehen sie damit auch nicht hausieren. Und das ist sympathisch. Nur verwundert es mich etwas, dass diese Referenz in bisherigen Besprechungen zu AnnenMayKantereit nicht präsenter ist.

Fakt ist: AnnenMayKantereit haben offenbar nicht nur in Würzburg Konzertlocations gefüllt. Und offenbar waren auch nicht nur in Würzburg überdurchschnittlich viele junge Frauen mit von Partie. Denn kurz nach dem Termin in der Kellerperle kommt die Neuigkeit, die ich seitdem schon vermutet habe: die drei begleiten Clueso auf dessen Tour Ende 2014. Nicht falsch verstehen: Ich habe eigentlich nichts übrig für derartige geschlechtsspezifische Musikgeschmackseinteilungen - aber Clueso ist dann doch Clueso. AMK sei das breite Publikum gegönnt. Bleibt zu hoffen, dass künftig auch weitere Songs wie "Wohin du gehst" entstehen und nicht nur Allerweltsballaden, die sie bisher charmant umschifft haben.

Donnerstag, 20. März 2014

Die Heiterkeit: "Wer bitte braucht das?"

Ich wollte wirklich nicht darüber schreiben. Die Heiterkeit hat mich nicht gepackt - im scheinbaren Gegensatz zu ungefähr jedem Musiksachverständigen auf dieser Welt. Hat mich das neue Album der Heiterkeit doch ungefähr ähnlich gleichgültig hinterlassen wie der sympathische Smiley auf der Homepage der "Mädelsband" es illustriert.



Aber ich möchte auf jeden Fall kurz auf guteshoerenistwichtigs (rhetorische) Frage antworten, die seine Besprechung zur Heiterkeit schließt. "Wer bitte braucht das und wer hört sich das freiwillig an?" Und eigentlich möchte ich dazu auch etwas ausholen.

Das Album beginnt und macht Angst. Ich habe Angst vor dieser Synthesizer-Klingel am Tor der "Factory". Die Tür geht auf, eine Hipster-Nico murmelt in seltsamer 60er-Jahre-Schlager-Artikulation irgendwas von Schlaftrunkenheit ("oho") und früher. Schellenkranz und irgendwo links hinten eine eigentlich recht angenehme Gitarre. Das Schlagzeug minimalisiert sich mit dem Plektrum-Bass um die Wette.

Warmes "Kalifornien", "Daddy's Girl", "Auge" - aus meinem Tagtraum erwache ich wieder beim Refrain von "Wohin gehst du, Cary Grant". Kurz fangen, Lage und nebenbei E-Mails checken - "Kapitän, oh Kapitän, wer hat bloß dein Schiff gesehen?". Beim zweiten Refrain erwische ich mich dabei, wie ich seltsam artikulierend "... tausende Lieder über DICH" mitsinge. Gelernt ist gelernt.

Ich denke über die ganze Situation nach. Mehr als belanglos kann das nicht sein. Alles schon dagewesen, allesnurgeklaut, hier Tocotronic, da Marlene Dietrich, überall die Lassie Singers. "Bruder", "Frühlingsjunge", irgendwas mit Pferden - Ich habe eigentlich keine Lust mehr. War's das dann?

"Komm, wenn du willst. Wir halten in den gleichen Städten an" Okay, zum Abschluss gibt's nochmal eine schöne Melodie. Bass-Gitarre, Bass-Drum - und die Snare dazu. Minimalistische Entwicklungen waren schon immer ein toller Effekt. Die Melodie lullt mich ein, ich schließe die Augen. Gitarre hinten links, Synthesizer knapp darüber.

"Du kommst mit Pauken und Trompeten, die Heiterkeit ist hier gewesen. Du liebst mich immer noch wie am ersten Tag." Augen auf. Diese Zeilen haben es in sich. Wundervoll musikalisch werden die Wörter hier betont. Der Gesamtklang macht Spaß. Der Song macht Spaß - wie wärs mit einem Bier?

Aber: Aus. Und eigentlich könnte ich jetzt wieder von vorne anfangen - das Bier ist ja noch voll. Also, Synthsizerklinger am Tor der "Factory", Hipster-Nico, ganz nett hier, ....

Ich hätte es nicht gebraucht, schön ist es aber doch - wie Fruchtbuttermilch. Und ich muss gestehen, immer öfter höre ich mir das Album auch freiwillig an. Ich glaube sie hat mich gepackt, die Heiterkeit.

Freitag, 7. Februar 2014

Fenster: Mehr als schöne Aussicht


Ist das nicht ein nettes Video? Irgendwie blass und farblos aber in seiner süßen Einfachheit einfach fesselnd. Die unterlegte Musik des - wie es in dessen Pressetext heißt - "multinationalen Quartetts" Fenster tut dabei ihr Übriges und lässt sich unter Umständen mit den selben Adjektiven beschreiben. Wundervoll minimalistisch auf einer atmosphärischen Wellenlänge mit dem ebenso multinationalen Duo Beach House fließt die Musik nur so dahin und gibt sich klanglich transparent wie es der Bandname nahelegt.

Wo aber Fenster sind, ist ein Rahmen nicht weit. Dieser wird in der Musik von Fenster zwar durchaus strapaziert, indem auf unterschiedlichste Stilmittel, vom rein atmosphärischen Klanggebilde bis hin zu poppigen Hooklines, gesetzt wird. Jedoch bleibt die Band ihrem minimalistischen Gesamteindruck zum Beispiel auf dem 2012 erschienenen Debütalbum Bones vor allem durch ein stark zurückgenommenes Tempo und geringe Lautstärke durchgehend treu.


Im März erscheint nun auf dem Berliner Label Morr Music, das zuletzt durch Aloa Input nicht nur hier im Blog auf sich aufmerksam gemacht hat, das Folgewerk der Fenster-Band. The Pink Caves wird das Album heißen. Das Cover ziert ein an Michael Endes Die unendliche Geschichte angelehntes Artwork. Darüber, was sich hinter der visuellen Anspielung eventuell verbirgt, können wir uns dann wohl erst im März fundiert Gedanken machen.

Sonntag, 19. Januar 2014

Songtag: TRAAMS



Noch im alten Jahr erschienen, hat aber durchaus das Ding zum Frühjahrsoundtrack: Das Debütalbum "Grin" der drei Briten mit dem netten Namen TRAAMS. Das ist nicht nur was für Fahrten in der Münchner U-Bahn. Unbedingte Anhör- und Kaufempfehlung vor allem für Freunde von noisigem Garage-Rock mit Ausflügen in poppige sowie krautige Gefilde. Man denke an Beach Fossils mit mehr beziehungsweise Cold War Kids mit weniger Kitsch.

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Aloa Input: Die Machete im Indie-Dickicht


Begründer und Vertreter des New Weird Bavaria. Sitzend. Foto: Ela Grieshaber

Das ist es also, das neue schräge, sonderbar sympathische Bayern - New Weird Bavaria, wie es die kreativen Köpfe um Bands wie Aloa Input und The Marble Man in Anlehnung an eine originär amerikanische Bewegung nennen. Und so passend der Name damals war, so gut versteht man, wieso die Bayern sich in diese Tradition stellen.

Denn vielerorts werden in diesem Zusammenhang jetzt vollkommen zurecht Bezüge zu Animal Collective, Vampire Weekend und Sufjan Stevens gezogen. Und ja, daraus macht man in München keinen Hehl. Auf A wie Amerika folgt B wie Bayern! Was dabei verloren geht, ist das Faktum, dass die Projekte aus denen Bands wie Aloa Input hervorgehen auch schon wundervoll innovativ waren und sind. Beispiele sind hier Missent to Denmark und Angela Aux.


München spielt dabei jedoch nicht nur als Schmelztiegel der schon seit jeher produktiven bayerischen Musikszenen eine große Rolle. München könnte als Prädikat des New Weird Bavaria dienen. München könnte das Dorf sein, in dem der Proberaum lockt und die Bandkollegen wohnen. Aber München ist nicht Hamburg oder Berlin. Und eigentlich hätte sich eine Band wie Aloa Input auch in irgendeinem anderen Winkel Bayerns zusammenfinden können.

Wichtig ist, dass sich all diese Musiker gefunden haben und mehr oder weniger subversiv den deutschen Pop umkrempeln. Weg vom auch im Indie-Bereich allzu verbreiteten und mittlerweile einfach ausgelutschten Pop-Rock wie es die Mikroboys und Herrenmagazins nach wie vor durchexerieren. Hin zu etwas, was man im ersten Moment fast schon gewagt nennen könnte.

Aloa Input öffnen eine Tür zu einer Welt, die sie nicht nur schön bunt dekoriert haben - man sehe sich nur das Artwork des jüngst erschienenen Debüts Anysome an. Dort geht es drunter und drüber, Takte werden verschoben, Samples übereinandergeschichtet und Genregrenzen über den Haufen geworfen. Mit anderen Worten: Man hört dem Album und damit auch der Band die Entstehungsphase(n) an.


Die drei Musiker Flo Kreier, Marcus Grassl und Cico Beck kommen aus Hip-Hop, Stoner-Rock, Indie und E-Musik. Hier und da klingen entsprechende Sozialisationen durch. Aber im Großen und Ganzen klingt Anysome schlichtweg nach Interesse an Musik und Klang. Das Tüfteln an jedem einzelnen Sampleeinsatz, diese Perfektion im Klangarrangement springt einem geradezu ins Gesicht. Jedoch ohne dabei anstrengend zu werden. Ganz im Gegenteil. Durch die lockerleichte Instrumentierung und den eher zurückgenommenen Gesang fließt die Musik dynamisch dahin.

Ein Studiowerk, das das Trio auf der gerade zu Ende gegangenen Tour mehr als überzeugend auf die Bühne gebracht hat. Auch hier zeigt sich die Perfektion und daneben vor allem eine weitere Sache: Aloa Input sind mehr als ein Studioprojekt. Sie sind eine junge Band, so professionell sie ihr musikalisches Paket auch abliefern. Zwischen den Songs scheinen einige sympathische Eigenarten solch junger Bands durch. Dinge wie bandinterne Hänseleien um Marcus' "erste Gitarre", die zwar einen hohen emotionalen Wert hat aber klanglich nicht den Ansprüchen der anderen Musiker genügt.

Die Band funktioniert also sowohl live, als auch auf Platte. Wunderschöne Klangwelten und (wirklich) frische Arrangements. Absolut weihnachtsgeschenktauglich. Die CD verliert so schnell nicht an Unterhaltungswert und ist damit die perfekte Überbrückung der dunklen Jahreszeit. Danke dafür, dass die Bayern momentan so innovativ und produktiv sind. Es muss ja nicht immer new und weird sein, gut tuts dem Popmusikgeschehen aber trotzdem.